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Bilddokumente und Informationen zur Geschichte des Dorfes Kuschkow aus der Spreewaldregion in der Niederlausitz
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Historische Ortsansichten ‒ Teil 2
‒ Fotos und Zeichnungen aus anderen Orten der Niederlausitz |
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(1) Das Sockelmauerwerk für den Scheunen-Fachwerkbau,
bestehend aus Naturstein-Bruchstein mit einer Deckschicht aus flach vermauerten
Ziegeln, wurde errichtet. Unter diesem sichtbaren Sockelmauerwerk befindet sich
das Fundamentmauerwerk, vermutlich ebenfalls aus Naturstein (Bruchstein oder
Feldstein). Auf dem Sockel wurden die Grundschwellen
(Sockelschwellen) für das Fachwerk verlegt (und verankert ?). Auf diesen
Grundschwellen stehen die Fachwerkständer (Wandständer und
Torständer). Die vier mittleren Torständer bestehen jeweils
aus drei miteinander verbundenen Einzelständern. Auf den Fotos der vorangegangenen
Seite ist gut zu sehen, wie in dieser frühen Bauphase bei der Montage der ersten
Hölzer Hilfskonstruktionen (Bretter, Latten) zur zeitweiligen Stabilisierung
eingesetzt wurden.
(2) Die Riegel und Langstreben
zur Stabilisierung des Fachwerks wurden eingebaut. Auf den kurzen und
nach innen gerichteten Grundschwellen der Torständer stehen bereits
Langstreben für die Binderbalken. Diese Streben sind mittels Zangen mit
den Torständern verbunden. Die Sicherung der Zangenverbindung erfolgte
durch Schraubbolzen.
(3) Über den Torständern für die Durchfahrtstore wurden die
langen Torbalken (Sturzbalken) montiert, die als Verstärkung
dienen für die darüber liegenden Rähme über den etwa vier Meter breiten Toröffnungen.
Aus mehreren Fotos auf der vorangegangenen Seite geht hervor, dass die Torbalken
nicht aus einem Stück bestehen sondern mindestens einmal gestoßen sind.
(4) Die giebelseitigen und die traufseitigen
Rähme (Rahmenhölzer) über den Torbalken sind
aufgesetzt. Damit ist das Fachwerk der Außenwände umlaufend
fertig abgebunden und ausgesteift.
(5) Die Deckenbalken wurden verlegt.
Über der mittleren Durchfahrt befindet sich eine schwere Balkenlage
mit Wechselbalken, so dass in der Mitte eine Öffnung verbleibt für
den Aufstieg in den Dachraum. In die beiden Wechselbalken binden
jeweils zwei Stichbalken ein. Insgesamt existieren vier schwere
Binderbalken jeweils über den Bundständern (erkennbar an den mit
Zangen verbundenen inneren Langstreben). Auf diesen Hauptbalken
liegt auf beiden Seiten jeweils eine um 90° versetzte leichte
Balkenlage aus jeweils vier Balken im Format etwa 14 x 22 cm. Beide
leichten Balkenlagen wurden offenbar später oder schon unmittelbar nach
der Baufertigstellung (?) wieder ausgebaut, heute existieren sie nicht
mehr. Auf den Fotos von 1958 kann man sie jedoch sehen, auf diesen
Balken hatten die Zimmerleute Bohlen aufgelegt als begehbare
Arbeitsfläche.
(6) Der Dachstuhl ist teilweise aufgerichtet. Die
Stuhlständer (Stuhlsäulen) stehen auf den Bundbalken. Jedes Ständerpaar
ist vorerst nur in Querrichtung stabilisiert durch lange Stuhlstreben
(Langstreben, lange Fußstreben) und waagerechte Spannriegel (Stuhlbalken), es
existiert noch keine Längsaussteifung des Dachtragwerks.
(7) An den Stuhlständern wurden Kopfstreben
(Kopfbänder) montiert, welche später mit den Mittelpfetten des Dachwerks
verbunden werden.
(8) Die Mittelpfetten sind aufgesetzt und
mit den Kopfstreben der Stuhlständer verbunden. Erst jetzt ist das Dachtragwerk
auch in Längsrichtung ausgesteift und stabil.
(9) Die Dachsparren sind aufgesetzt und
mit den Sparrenschwellen (Fußpfetten) und den Mittelpfetten verbunden; die
Sicherung erfolgt durch sehr lange Sparrennägel (Zimmermannsnägel). Die
Sparrenpaare über den Bundbalken und Stuhlständern sind jeweils durch
Sparrenzangen miteinander verbunden und vermutlich
durch Schraubbolzen gesichert; diese Sparrenpaare werden
Bindersparren genannt. Am Firstpunkt ist jedes
Sparrenpaar durch Verblattung oder Scherzapfen miteinander
verbunden, die Verblattung bzw. Verzapfung wurde durch Holznägel
(Holzstifte) gesichert. Das Dachsystem ist jetzt komplett, die
Arbeit der Zimmerleute vorerst abgeschlossen. Das Dachwerk ist
aufgerichtet und abgebunden, das Richtfest kann beginnen.
(10) Das fertige Scheunenmodell als
Zimmermannsarbeit auf Sockelmauerwerk in zwei Ansichten.
Es folgt noch einmal die Dachkonstruktion (das Dachwerk)
separat in drei Arbeitsstufen zur Erläuterung der Fachsprache für diesen
Teil des Gebäudes. Allgemein wird umgangssprachlich das gesamte Dachwerk als
"Dachstuhl" bezeichnet ‒ dies ist jedoch aus baufachlicher
Sicht nicht korrekt. Die folgenden Bilder zeigen die Unterschiede:
Der Dachstuhl (von > Stuhl > Gestell > stehen) besteht
aus den Stuhlständern mit kurzen Kopfstreben,
langen Fußstreben (Langstreben), Spannriegeln
(Stuhlbalken, quer zwischen je zwei Ständern) und Mittelpfetten
(in Längsrichtung durchlaufend). Nur dieses System wird korrekt als Dachstuhl
bezeichnet, es ist in sich stabil und ausgesteift in Längsrichtung und
Querrichtung. Weil hier zwei Ständerreihen existieren, wird von einem
doppelt stehenden Stuhl gesprochen. Es gibt auch
Dachstuhlvarianten ohne lange Fußstreben, die Queraussteifung wird dann von
Kopfstreben zwischen den Ständern und Spannriegeln (Stuhlbalken) übernommen.
Die Bezeichnungen "längs" und "quer" nehmen beim Hausbau
immer Bezug auf den Dachfirst. Im Normalfall zeigt der First die Längsrichtung
eines Gebäudes an.
Das Dach der Pfettendach-Konstruktion besteht aus den
Dachsparren, die auf den Fußpfetten
(Sparrenschwellen) und den Mittelpfetten aufliegen. Die
Sparrenpaare über den Bundbalken und Bundständern sind jeweils durch
waagerecht verlaufende Sparrenzangen miteinander
verbunden, zwischen diesen gebundenen Sparrenpaaren (Bindersparren,
Bundsparren) liegen jeweils drei Sparrenpaare ohne Abbund
(Leersparren). Am Firstpunkt ist jedes Sparrenpaar
durch Verblattung (oder Scherzapfen) miteinander verbunden. Die Achsabstände zwischen den
Sparren betragen ca. 1,00 m, zwischen den Bindersparren ca. 4,00 m.
Im Gegensatz zum Dachstuhl sind die Dachsparren kein Bestandteil der
tragenden Konstruktion, sie tragen nur sich selbst sowie die Dachhaut
darüber (Dachschalung, Dachlattung, Dachdeckung).
Das Dachwerk (die Dachkonstruktion) ist komplett, die
Arbeit der Zimmerleute ist abgeschlossen. Das Verlegen der Dachlatten
(und eventuell die Montage von Ortbrettern an den Giebelkanten, usw.)
ist nicht mehr Arbeit der Zimmerleute, sie wird von den Dachdeckern
erledigt. Vorher kommen noch die Dachklempner und montieren alle
Blechteile (Dachrinnen, Fallrohre, usw.). Wenn das Dach fertig
eingedeckt ist, entsteht ein abgeschlossener Raum unter der Dachdeckung,
der Dachraum.
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